Karriere ohne Zielsetzung? Warum ein systemischer Ansatz wirksamer ist

Lesezeit: 4 Minuten

Von klein auf werden wir ermutigt, Ziele zu formulieren und auf deren Erreichung hinzuarbeiten. Einige Ziele erreichen wir, andere bleiben unerreicht. Selbst wenn wir das ehrgeizigste Karriereziel setzen, ist ein Scheitern möglich.

Dieser Gedanke beschäftigte auch James Clear, den Autor der “1% Methode”. Er erkannte, dass nicht die konkret gesetzten Ziele, sondern das verwendete System den entscheidenden Unterschied ausmacht.

Aber was unterscheidet Ziele von Systemen?

Ziele drehen sich um das Ergebnis und sind zukunftsorientiert.

Systeme betreffen die Prozesse, die zum Ergebnis führen, und operieren in der Gegenwart.

Ein System ist ein Prinzip, nach dem etwas gegliedert, geordnet wird1. Das heißt, du gehst immer und immer wieder systematisch nach der gleichen Weise vor.

Ziel: Ein Buch schreiben.

System: Jeden Tag eine Seite schreiben.

Clear empfiehlt, sich nicht nur auf das Endziel zu konzentrieren, sondern täglich an der eigenen Verbesserung zu arbeiten. Das Ziel gibt die Richtung vor, doch der Hauptfokus liegt auf dem System, das dorthin führt.

Ein Läufer könnte sich zum Beispiel das ehrgeizige Ziel setzen, einen Marathon in unter drei Stunden zu laufen. Alternativ könnte er ein System entwickeln, bei dem er vier- bis fünfmal pro Woche zu einer festen Zeit trainiert.

Oder jemand könnte sich das Ziel setzen, innerhalb von fünf Jahren in eine leitende Position aufzusteigen. Stattdessen könnte diese Person ein System entwickeln, um kontinuierlich ihre Führungskompetenzen auszubauen, indem sie monatlich an Schulungen teilnimmt, regelmäßige Mentoring-Sitzungen einplant und aktiv an strategischen Projekten teilnimmt. Dies wäre ein System für die berufliche Entwicklung.

Wenn du dich auf das System konzentrierst und täglich an deinen Zielen arbeitest, gibt es kein Enddatum. Du integrierst es dauerhaft in deinen Alltag.

Ziele dienen als Rahmen mit einem festgelegten Enddatum, während Systeme tägliche Aktionen ohne ein solches Ende sind.

Probleme mit Zielen

Wenn das Ziel besonders schwer zu erreichen ist und keine greifbaren Fortschritte zu sehen sind, löst es ein Gefühl von Stress aus. Es kann auch sein, dass du das Ergebnis eines Ziels nicht kontrollieren kannst, weil sich die Umstände ändern.

Wenn man sich ein Ziel setzt, geht man davon aus, dass man ein Versager ist, solange man sein Ziel nicht erreicht hat.

Scott Adams sagt dazu:

“Goal-oriented people exist in a state of continuous presuccess failure at best, and permanent failure at worst if things never work out. Systems people succeed every time they apply their systems, in the sense that they did what they intended to do. The goals people are fighting the feeling of discouragement at each turn. The systems people are feeling good every time they apply their system. That’s a big difference in terms of maintaining your personal energy in the right direction.”

Trotz des Gefühls, versagt zu haben, gibt es noch eine Reihe anderer Probleme, die auftreten, wenn man zu viel Zeit damit verbringt, über seine Ziele nachzudenken:

  • Sich ein Ziel zu setzen, trifft noch keine Aussage darüber, ob es erreicht wird oder nicht. Gewinner und Verlierer können das gleiche Ziel verfolgen. Jeder Bewerber will den Job, aber nur einer bekommt ihn.
  • Werden Probleme auf der Ergebnisebene gelöst, ist die Lösung nur vorübergehend. Ich kann mir als Ziel setzen, meinen Schreibtisch aufzuräumen. Bleibe ich aber unordentlich und stelle Dinge nach Benutzung nicht zurück, d. h. ich ändere mein System nicht, so muss ich mir immer wieder das gleiche Ziel setzen.
  • Problematisch ist auch, wenn das eigene Glücksempfinden vom Erreichen der Ziele abhängig gemacht wird. So landest du im Hamsterrad um wieder den nächsten und den nächsten Meilenstein zu erreichen. Das Glücksgefühl hält nicht lange an. Oder du fühlst dich als Versager, wenn du dein Ziel mal nicht erreichst.
  • Fokussierst du dich zu stark auf deine Zielerreichung, kann die Motivation weg bleiben, wenn das Ziel erreicht ist. Trainierst du für einen Marathon und die Ziellinie ist erreicht, was treibt dich noch an weiter zu trainieren?

Erstelle dein eigenes System

Angenommen, du bist auf Jobsuche und möchtest bis zum Jahresende die perfekte Stelle finden. In diesem Fall benötigst du ein System, um deine Bewerbungsaktivitäten effektiv zu verfolgen und den Fortschritt in deiner Jobsuche im Blick zu behalten.

Um ein System zu erstellen, stelle dir folgende Fragen:

  • Was genau möchtest du erreichen?
  • Warum ist dies wichtig?
  • Wann wirst du aktiv sein?
  • Was musst du im Voraus planen?
  • Ist dies eine tägliche Aufgabe?

Dein System sollte regelmäßig bewertet und an die aktuellen Bedingungen angepasst werden. Wenn dein System sich weiterentwickelt, musst du weniger Zeit für die Verfolgung deiner Aktivitäten aufwenden.

 

Quellen

1 Duden | System | Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft

Here’s What Scott Adams Says About Goals (forbes.com)

James Clear (2020). Die 1% Methode. Minimale Veränderung, Maximale Wirkung

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